Definition: Verfahrenspfleger

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Der Verfahrenspfleger vertritt vor dem Betreuungsgericht die Interessen eingeschränkter Personen und Minderjährigen. Auch kommuniziert er zwischen ihnen, der Justiz und den ärztlichen Sachverständigen und kann bei Fällen vor dem Familiengericht als Anwalt des Kindes bestellt werden. Als Verfahrensbeistand soll er dann die Interessen des Kindes ermitteln und vertreten. Allgemein kann der Verfahrenspfleger Rechtsmittel einlegen und ist selbst rechtsfähig, das heißt zum Beispiel: Er kann Beschlüsse anfechten.

Wichtig: Ein Verfahrenspfleger ist selbstständig am Verfahren beteiligt und nicht wie ein Berufsbetreuer der gesetzliche Vertreter des Betroffenen. Dadurch soll er objektiv den Sachverhalt bewerten und den Betroffenen bestmöglich unterstützen können. 

Wann wird ein Verfahrenspfleger bestellt?

Der Verfahrenspfleger wird vom Gericht für unabhängige Stellungnahmen und Einschätzungen bestellt, wenn zum Beispiel:

1. Eine umfassende Betreuung beschlossen wurde.

2. Für einen Betroffenen freiheitsentziehende Maßnahmen angeordnet sind.

3. Sich der Betroffene aus gesundheitlichen Gründen zu einer Wohnungskündigung nicht äußern kann.

4. Lebenserhaltenen Maßnahmen abgestellt werden sollen.  

Als Verfahrensbeistand bei Kindern:

1. Es kommt zu familiärer Gewalt oder zum Missbrauch des Kindes.

2. Ein oder beide Elternteile kommen der Umgangspflicht nicht nach.

3. Im Umgangsverfahren muss zwischen den streitenden Eltern vermittelt werden.

4. Zu Punkten des Sorgerechts gibt es ungelöste Probleme.

Eine echte Hilfe

Der Verfahrenspfleger hilft somit dem Gericht dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Sachverhalte einzuordnen – dazu gehören auch kritische Fragen während eines Verfahrens und ein mögliches Vorgehen gegen Entscheidungen des Gerichtes. Allgemein soll der Verfahrenspfleger den Betroffenen fachlich beraten, ihn über den Ablauf vor Gericht aufklären und ihm zur Seite stehen. Bei Kindern tritt er für das Wohl des Kindes ein und kann von den Eltern nicht umgangen werden. Seine Bestellung endet mit dem Abschluss des Verfahrens und ist somit zeitlich begrenzt.

Wir wird man Verfahrenspfleger?

Die Verfahrenspflegschaft kann ehrenamtlich oder hauptberuflich ausgeübt werden. Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Verfahrenspfleger gibt es nicht. Bewerber können mit einer pädagogischen oder psychologischen Grundausbildung, zum Beispiel einem Studium der Sozialpädagogik und einem juristischen Zweitstudium die nötigen Qualifikationen erreichen. Aber auch Rechtsanwälte und qualifizierte Berufsbetreuer werden vom Gericht bestellt.