Qualität in der rechtlichen Betreuung

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Eine offizielle Prüfungsinstanz, die die Arbeit von Berufsbetreuern überwacht bzw. kontrolliert, gibt es nicht, da die rechtliche Betreuung keinem klassischen Ausbildungsberuf folgt. Um herauszufinden, welche Qualitätsstandards in der Praxis eingehalten werden, hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz 2015 eine umfassende Befragung aktiver Berufsbetreuer in Auftrag gegeben. Aus den ersten Ergebnissen der Studie „Qualität in der rechtlichen Betreuung“ lassen sich folgende zehn Kriterien für eine hochwertige Betreuung ableiten:   

Die meisten Berufsbetreuer verfügen nach ihrer eigenen Einschätzung über hohe Fachkenntnisse des Betreuungsrechts, Sozialrechts und Verwaltungsrechts. Kenntnisse des Zivil- und Strafrechts sind ebenfalls notwendig.

In der Gesundheitssorge sind u.a. Kenntnisse der Patientenrechte, Einwilligungsfähigkeit und Patientenverfügungen erforderlich. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht erfordert besondere Kenntnisse, die aber nur Berufsbetreuer betreffen, die die entsprechenden Aufgabenkreise und Rechte übernommen haben. Im Bereich der Vermögenssorge sollten rechtliche Betreuer über Vermögensverwaltung, Einwilligungsvorbehalt, Geschäftsfähigkeit und über die Genehmigungspflichten bei Rechtsgeschäften Bescheid wissen.

Rund zwei Drittel der Berufsbetreuer haben einen Hochschulabschluss, ca. ein Drittel einen beruflichen Abschluss. An erster Stelle stehen hierbei die Fächer Sozialarbeit, Jura und Betriebswirtschaft. Weitere häufig vorkommende Studiengänge sind Pädagogik und Sozialwissenschaft sowie Studiengänge, die speziell auf die Tätigkeit als rechtlicher Betreuer vorbereiten sollen, wie z.B. der Bachelor Betreuung und Vormundschaft an der Akademie für öffentliche Verwaltung und Recht in Berlin.

Verschiedene Vereine und Behörden bieten Berufsbetreuern diverse Einführungsseminare, Workshops, Fortbildungskurse und Zertifikate an. Das allgemeine Betreuungsrecht wird genauso thematisiert, wie spezifische rechtliche Grundlagen.

Da sich Gesetze und Regelungen häufig ändern, müssen Berufsbetreuer unbedingt aktuell informiert sein und wissen, wo sie fachlichen Rat finden können. Wichtig ist, verschiedene Quellen zu nutzen, wie Internetblogs, Foren, Mailinglisten, Informationen von Betreuungsvereinen oder die fachliche Expertise anderer Berufsbetreuer oder Fachanwälte. Während der Betreuung sind zudem viele Gespräche mit Pflegern, Krankenschwestern, Ärzten, Juristen, Beamten und sozialen Diensten notwendig, um den Klienten optimal betreuen zu können. Je besser ein Berufsbetreuer über die Lebenssituation des Klienten informiert ist, umso gezielter kann er ihm auch helfen.

Eine qualitativ hochwertige Betreuung hängt nicht nur von den fachlichen Kenntnissen des Berufsbetreuers ab, sondern vor allem auch von seinen persönlichen Fähigkeiten. Empathie aufbringen und Konflikte lösen können, sind genauso wichtige Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und Kritikfähigkeit. Da rechtliche Betreuer u.a. auch Klagen einreichen, z. B. wenn Bescheide nicht ausgestellt wurden oder fehlerhaft sind, ist gerade in juristischen Belangen oftmals Hartnäckigkeit gefragt.

Berufsbetreuer müssen viele Fristen und Termine im Blick behalten und zahlreiche Dokumente, Anträge und Bescheide ablegen. Auch bei einer hohen Anzahl an Klienten darf die Übersicht nicht verlorengehen. Die Betreuungsführung und Gespräche mit Dritten werden in der Regel von den Betreuern selbst dokumentiert.

Für Berufsbetreuer gibt es spezielle Software, die auf die Anforderungen der Tätigkeit zugeschnitten sind. Konten führen, Abrechnungen erstellen, Dokumente archivieren: all dies erleichtern die digitalen Programme. In unserer Rubrik Tipps und Tricks haben wir zahlreiche Tools vorgestellt, die bei der Betreuungsführung hilfreich sind. 

24 Stunden pro Tag müssen Berufsbetreuer nicht erreichbar sein. Rechtliche Betreuer, die eine hohe Anzahl an Klienten betreuen, führen jedoch häufig ein eigenes Büro, welches über ein Sekretariat erreichbar ist und vor allem Raum für vertrauliche Gespräche bietet. Die Wahrung des Datenschutzes und der Vertraulichkeit im Allgemeinen ist für die erfolgreiche Betreuung von enormer Bedeutung.

Die Frage nach der Qualität in der rechtlichen Betreuung darf keine Frage des Geldes sein. Das fordern zumindest die Berufsverbände für Berufsbetreuer, die sich für eine Erhöhung der festgelegten Stundensätze einsetzen. Darüber hinaus setzen sich die Verbände für eine qualifizierte Ausbildung, für die Kontrolle des Berufszugangs und eine Berufsaufsicht ein.

Fazit: Entscheidend für eine hochwertige Betreuung sind die Qualifikationen des Betreuers, seine Fachkenntnisse, die Sozialkompetenz, eine gute Vernetzung und vor allem die fachliche Weiterbildung. Eine Übersicht über aktuelle Seminare, Workshops und Tagungen haben wir in unserem Kalender zusammengestellt.