Verfahren der Betreuerbestellung – Von der Notwendigkeit bis zur Betreuung

65
Teilen

Bis ein Berufsbetreuer als rechtlicher Vertreter eines Klienten tätig werden kann, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Wir haben für Sie zusammengefasst, was bei der Betreuerbestellung wichtig ist.

Voraussetzung für die Bestellung

Ein Berufsbetreuer kommt zum Einsatz, wenn ein Volljähriger aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung seine Angelegenheiten nicht mehr selbstständig regeln kann. Einen Antrag auf Betreuung können folgende Personen beim Betreuungsgericht einreichen: der Betroffenen selbst, Familienangehörige, die Betreuungsbehörde und behandelnde Ärzte.

Rangfolge bei der Betreuerauswahl

Das Gericht hat beim Betreuungsverfahren folgende Rangfolge einzuhalten:

  1. Wunsch des Betroffenen
  2. Nahe Verwandte, wie zum Beispiel Ehegatte, Lebenspartner, Eltern und Kinder
  3. Entfernte Verwandte oder Bekannte
  4. Ehrenamtliche Betreuer
  5. Vereinsbetreuer, Behördenbetreuer und Berufsbetreuer
  6. Betreuungsverein und Betreuungsbehörde

Erforderlichkeit der Betreuung

Die Betreuung soll eine Hilfe für den Betroffenen im Alltag sein. Sie kann von ihm jedoch auch als störend und nicht erwünscht empfunden werden. Deshalb muss das Betreuungsgericht vorher prüfen:

  1. Ob eine Bestellung eines Betreuers notwendig ist.
  2. Welche Aufgabenkreise der Betreuer in welchem Umfang übernimmt.
  3. Für wie lange die Betreuung angeordnet wird.

Eignung des Betreuers

Ein Berufsbetreuer muss fachlich und persönlich für die Arbeit geeignet sein. Fachlich geeignet ist er, wenn er die nötigen Qualifikationen für die ihm übertragenen Aufgabenkreise mitbringt. Mögliche Aufgabenkreise können sein: Vermögensverwaltung, Gesundheitsfürsorge und Vertretung des Betroffenen bei gerichtlichen Verfahren.

Unter der persönlichen Eignung wird das Verhältnis zwischen Betreuer und Klient verstanden. Der Betreute soll demnach die für ihn nötige Aufmerksamkeit erhalten und nicht als anonymer Betreuungsfall gesehen werden.

Durch Überlastung des Berufsbetreuers kommen der persönliche Austausch und damit der Vertrauensaufbau häufig zu kurz. Mögliche Gründe dafür können eine zu hohe Anzahl an Betreuungen und eine große räumliche Entfernung zum Wohnort des Klienten sein. Das Ergebnis: Für persönlichen Kontakt fehlt die Zeit.

Wünsche des Klienten   

Der Betroffene hat das Recht einen Betreuer für sich vorzuschlagen. Das Betreuungsgericht muss dann diesem Wunsch nachkommen, solange keine wichtigen Gründe dagegensprechen. Eine Ablehnung kann zum Beispiel erfolgen, wenn der vorgeschlagene Betreuer nicht ausreichend qualifiziert ist. Im Allgemein steht jedoch der Wunsch des Klienten an erster Stelle, egal welche Vorschläge dem Gericht noch vorliegen.

Bestellung des Berufsbetreuers

Das Wohl des Betroffenen ist die wichtigste Entscheidungshilfe bei der Frage für oder gegen den vorgeschlagenen Betreuer. Das Gericht kann sich nur in bestimmten Fällen über den Wunsch des Betroffenen hinwegsetzen, zum Beispiel wenn ein rechtlicher Betreuer besser für die Betreuung qualifiziert ist.

Zwar können Verwandte in den meisten Fällen die Bedürfnisse und das Verhalten des Betroffenen am besten beurteilen, jedoch kann es auch zu Konflikten innerhalb der Familie kommen. Erbstreitigkeiten lösen häufig einen solchen Konflikt aus. In solchen Fällen kann es ebenfalls sinnvoll sein, einen professionellen Betreuer zu bestellen.

Merke: Hat der Betroffene bereits eine andere Person durch eine Vorsorgevollmacht berechtigt, ist die Bestellung eines Berufsbetreuers nicht notwendig.

Erst wenn aus allen genannten Kreisen – Wunsch des Betroffenen, nahe und entfernte Verwandte, ehrenamtliche Betreuer – die Betreuerauswahl erfolglos war, wird ein rechtlicher Berufsbetreuer vom Gericht bestellt.