Verfügungen & Vollmachten – der kleine Unterschied

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Der Wille des Klienten spielt bei der rechtlichen Betreuung eine große Rolle. Gut, wenn der Betreute noch im gesunden Zustand festgelegt hat, wer im Ernstfall wichtige Entscheidungen für ihn treffen soll. Dokumentiert wird dies über Vorsorgevollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen. Eines haben diese drei Schriftstücke gemeinsam: sie sind verbindlich für Gerichte, Betreuer und Ärzte. Dennoch gibt es kleine Unterschiede. Wir erklären, welche das sind und was sie als rechtlicher Betreuer dazu wissen sollten.     

Eine Person des Vertrauens bestimmen – mit der Vorsorgevollmacht

In der Regel haben rechtliche Betreuer mit einer Vorsorgevollmacht nur in Ausnahmefällen zu tun – und zwar genau dann, wenn diese nicht in Kraft tritt. Was paradox klingt, hat eine einfache Erklärung.

Grundsätzlich bestimmt der Vollmachtgeber eine Vertrauensperson, die stellvertretend seine Angelegenheiten regelt, falls er selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Oft übernehmen Angehörige oder enge Freunde diese Rolle. Die Vollmacht ersetzt somit den rechtlichen Betreuer. Dieser kommt nur dann zum Einsatz, wenn der Bevollmächtigte die Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, das Vertrauen missbraucht oder die Vorsorgevollmacht ungültig ist. Das Betreuungsgericht muss in diesem Fall ein gerichtliches Verfahren einleiten und die Vollmacht einem rechtlichen Betreuer übertragen.      

Den rechtlichen Betreuer selbst aussuchen – mit der Betreuungsverfügung

Anders als bei der Vorsorgevollmacht legt der Klient mit diesem Dokument vorab fest, welcher gesetzliche Betreuer zum Einsatz kommen soll, falls eine Betreuung notwendig wird. Zudem kann der Klient angeben, welche Gewohnheiten respektiert werden sollen und ob eine Betreuung im Pflegeheim oder zu Hause gewünscht ist. Gericht und Betreuer müssen sich an die Verfügung halten.
Wichtig: Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung werden oft miteinander kombiniert: Tritt die Vollmacht nicht in Kraft, gilt die Betreuungsverfügung. 

Die Patientenverfügung: Kein Rätselraten, wenn es drauf ankommt

Wichtige medizinische Entscheidungen trifft man nicht mal eben so. Übernimmt der rechtliche Betreuer die Gesundheitsfürsorge, ist es gerade im Notfall hilfreich, wenn eine Patientenverfügung vorliegt. In diesem Dokument legt der Klient fest, welche Behandlungen er im Falles eines Komas o.ä. zulassen möchte. Ärzte und Betreuer sind daran gebunden.

Rechtliche Betreuer können ihre Klienten zu den Inhalten beraten. Sie sollten zudem darauf achten, dass die Patientenverfügung in regelmäßigen Abständen erneuert wird. So ist der aktuelle Wille des Klienten jederzeit gewahrt, der Betreuer wird im Fall des Falles entlastet. 

Tipp: Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat in den Publikationen „Betreuungsrecht“ und „Patientenverfügung“ weitere wichtige Informationen für rechtliche Betreuer zusammengestellt.