Wenn Betreuer und Klienten sich trennen – Gründe, Pflichten & Handlungsempfehlungen

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Manchmal lässt sich eine Trennung einfach nicht vermeiden – so auch zwischen Berufsbetreuer und Klient. Warum? Die Motive können vielfältig sein. Wir haben Ihnen mögliche Gründe und Handlungsempfehlungen aufgeführt und erklären, was der Berufsbetreuer bei einer Entlassung alles beachten muss.

Ablehnung durch den Klienten

Der Klient kann einen Betreuer ablehnen oder eine andere, qualifizierte Person für seine Betreuung vorschlagen. Ein Betreuungswechsel ist dann möglich, wenn ansonsten das Wohl des Klienten beeinträchtigt oder schlechter wird. In 81 Prozent der Fälle erfolgt die Entlassung des Betreuers auf eine Beschwerde des Klienten hin, so eine aktuelle „Studie zur Qualität in der rechtlichen Betreuung“ des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

Mögliche Gründe: der Betreute fühlt sich nicht ausreichend persönlich vertreten, er möchte bei Entscheidungen mehr eingebunden werden, es besteht eine Antipathie gegenüber dem Betreuer, er zieht in eine andere Stadt um.

Letzte Vermittlungsversuche: persönlich mit dem eigenen Betreuer reden und auf Deeskalation setzen. Auch können der zuständigen Betreuungsbehörde und dem Gericht die Probleme schriftlich erklärt werden. Diese Möglichkeit können auch Angehörige nutzen.  

Ablehnung durch den Betreuer

Der Betreuer kann ebenso wie der Klient einen Entlassungsantrag stellen und darin seine Entscheidung detailliert beschreiben und belegen, zum Beispiel durch gesammelte Dokumente und die Unterschrift des Klienten.  

Mögliche Gründe: Umzug in eine andere Stadt, der Betreuer geht in Rente, krankheitsbedingte Pause für längere Zeit, Berufswechsel, Antipathie gegenüber dem Klienten, der Klient beschimpft und bedroht Sie.

Letzte Vermittlungsversuche: Generell sollten Sie nicht übereilt handeln, sondern versuchen die Beziehung zum Klienten zu verbessern. Das Stichwort lautet: Deeskalation. Lässt sich das Problem trotzdem nicht lösen, können Sie schriftlich dem Gericht die Umstände des Entlassungsantrages schildern.

Ablehnung/Entlassung durch das Betreuungsgericht

Das Gericht und die zuständige Betreuungsbehörde prüfen vor jeder Bestellung, ob der Betreuer geeignet ist. Trotzdem kann es zu Fehlentscheidungen bei der Bestellung oder zu Problemen während der Betreuung kommen.

Mögliche Gründe: Ein ehrenamtlicher Betreuer wird anstelle des rechtlichen Betreuers bestellt. Der Betreuer vertritt den Klienten nicht angemessen bei Behörden und Vertragspartnern und ist bei Anträgen und Formularen überfordert. Auch die Gefährdung des Klienten kann ein Entlassungsgrund sein. Des Weiteren sind Fälle bekannt, bei denen sich der Betreuer am Vermögen des Klienten bereichert und eigene Leistungen überhöht abgerechnet hat. Auch die Nichteinhaltung einer Patientenverfügung des Klienten kann zu einer Entlassung des Betreuers führen.

Letzte Vermittlungsversuche: Richter, Behörden und Rechtspfleger suchen zunächst das Gespräch mit Betreuer und Klient und versuchen, die Probleme zu beheben. Kommt es zu keiner Einigung klären Betreuungsbehörde und Gericht den Sachverhalt auf und treffen zum Wohl des Klienten eine Entscheidung.

Der Berufsbetreuer muss nicht untätig zusehen: Sie können gegen den Betreuungsentzug sogenannte Rechtsmittel der Beschwerde einlegen. Wird Ihre Beschwerde abgewiesen und die Entlassung durchgeführt, müssen Sie noch einige Dinge erledigen.   

Was am Ende zu tun ist:

  • Betreuerausweis dem Betreuungsgericht zurückgeben
  • Einen Schlussbericht verfassen
  • Eine Rechnungslegung erstellen
  • Wichtige Unterlagen, Berichte, etc. dem Nachfolgebetreuer übergeben.
  • Den Nachfolgebetreuer umfassend in den Fall einarbeiten.

Weitere Informationen zur Studie unter: www.bmjv.de