Wie viele Betreuungsfälle hat ein Berufsbetreuer?

2006
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Angehende Berufsbetreuer sind sich oft über die Anzahl der Betreuungsfälle unsicher. Gibt es eine gesetzlich festgelegte Mindestanzahl? Wie viele Betreuungen sind zeitlich machbar? Ab wann rechnet es sich finanziell? Wir haben für Sie die wichtigsten Kriterien zusammengestellt.

Berufsmäßigkeit erreichen

Ab zehn Betreuungsfällen ist der Betreuer von der regionalen Betreuungsbehörde und dem zuständigen Betreuungsgericht als Berufsbetreuer anerkannt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Arbeit nicht mehr ehrenamtlich und kann vergütet werden. Gerade Berufseinsteiger führen anfangs ehrenamtliche und rechtliche Betreuungen parallel, um Reputation zu erreichen, Kontakte aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln. Eine Berufsmäßigkeit kann deshalb auch erfüllt sein, wenn die Zahl der Klienten zeitlich absehbar gesteigert wird. Wer bereits einen Beruf ausübt, der Qualifikationen des Berufsbetreuers beinhaltet (z.B. Rechtsanwalt), kann schneller an eine Zulassung kommen.

Anzahl der Betreuungen

Die Arbeit als Berufsbetreuer ist in Teilzeit oder Vollzeit möglich. Um von dem Beruf leben zu können, muss ein Betreuer durchschnittlich zwischen 40 bis 60 Betreuungen übernehmen. Laut einer Studie des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) führen selbstständige Berufsbetreuer durchschnittlich 43 Betreuungen bei einer 40 Stundenwoche.

Der Aufwand pro Klient pro Monat lässt sich schwer pauschal beziffern. Viele Faktoren spielen eine Rolle:

  • Müssen die Betreuten häufiger besucht werden und sind längere Anfahrtswege einzuplanen?
  • Sind die Betreuten in Pflegeeinrichtungen untergebracht? Das mindert in der Regel den Aufwand,       da das Pflegepersonal den Betreuer bei Bedarf unterstützt.
  • Neue Betreuungsfälle erfordern mehr Aufwand, als Fälle, die man bereits längere Zeit betreut.

Wer mehr Fälle betreuen möchte, benötigt in der Regel Mitarbeiter zur Unterstützung und ein entsprechend großes Büro. Die Kosten dafür müssen natürlich durch die Mehreinnahmen gedeckt sein. Es empfiehlt sich, langsam zu wachsen, um Erfahrungen zu sammeln.

Nähere Informationen zur Studie „Qualität in der rechtlichen Betreuung“ erhalten Sie hier:

http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF/Berichte/2_Zwischenbericht_Qualitaet_Betreuung.pdf?__blob=publicationFile&v=2